Zauberhafte Physik

Zauberhafte Physik mit Unterrichtsmodulen
Zauberhafte Physik mit Lesekisten
Partyversuche – Physikspaß für Jung und Alt
Die besondere Bedeutung der Grundschulen
Werbung von Lese- und Physikpatinnen und Paten

Die Zauberhafte Physik möchte zum Experimentieren mit sechs- bis zwölf-jährigen Kindern anregen. Dazu werden drei Projekte für unterschiedliche Zielgruppen angeboten. Die drei Projekte basieren auf über 100 einfachen Versuchen aus den Themenfeldern Ruhende Luft, Bewegte Luft, Wasser, Strom, Magnete, Kraft, Hebel, Reibung und Akustik; sie wurden seit 2007 in über 40 Berliner Grundschulen entwickelt und erprobt. Alle Versuche der Zauberhaften Physik können mit einfachen Materialien aus dem Umfeld der Kinder durchgeführt werden, sind dadurch preiswert und vermeiden Schwellenängste.


Robert-Bosch-Stiftung Deutscher Alterspreis 2013 – veröffentlicht am 1.10.2013

 

Ziele und Zielgruppen der vorgestellten Projekte

Zauberhafte Physik mit Unterrichtsmodulen

Das Projekt  “Zauberhafte Physik mit Unterrichtsmodulen” (alias: “Zauberhafte Physik in Grundschulen”) ist als Unterstützung für den regulären Sachkunde- und Physikunterricht in Grundschulen gedacht. Bis zu 20 einzelne Experimente sind zu einem thematischen Unterrichtsmodul zusammengefasst. In einer Doppelstunde (90 Minuten) können jeweils 4 bis 6 Versuche durchgeführt werden.  Auswahl und Strukturierung der Versuche wurden zusammen mit der Arbeitsgruppe Didaktik der Physik der Technischen Universität Berlin auf den Rahmenlehrplan für Berliner Grundschulen Klasse 1 bis 5 abgestimmt.

Das Projekt richtet sich an Lehrkräfte, Erzieher_innen und MINT-Interessierte*). Unter MINT-Interessierten verstehen die Protagonisten Erwachsene mit physikalischen Vorkenntnissen und/oder Interessen, also u.a. Naturwissenschaftler_innen, Ingenieur_innen und Techniker_innen im Ruhestand oder in einer Berufspause sowie Auszubildende, Studierende technischer Fachrichtungen und Lehramtstudent_innen, die bereit sind, Lehrkräfte im Sachkunde- und Physikunterricht personell und fachlich zu unterstützen. Im folgenden Text werden sie als “Physikpaten” bezeichnet.

*) MINT= Mathematik – Informatik – Naturwissenschaft – Technik

Die vorliegende Dokumentation möchte nicht nur Anregungen zu thematisch ausgerichteten Versuchen für den oben genannten Personenkreis geben sondern richtet sich auch an Elternbeiräte, Schulfördervereine, Universitäten, Verbände, Stiftungen und Firmen in der Hoffnung, diese Personenkreise als mögliche Projektträger oder Projektinitiatoren zur Unterstützung des Sachkunde- und Physikunterrichts zu gewinnen. Nur eine angemessene, personelle Ausstattung von Experimentierstunden stellt sicher, dass alle Kinder alle Versuche selbst durchführen können.  Haptische Erfahrungen wecken Freude an Physik. Diese große Chance in der Grundschule sollte genutzt und gefördert werden.

Eine detaillierte Dokumentation zu den neun bisher entwickelten Unterrichtsmodulen und zum Herstellen der Versuchskoffer kann auf der Projektseite Zauberhafte Physik mit Unterrichtsmodulen heruntergeladen werden. Auf dieser Seite finden sich auch Hinweise zur Organisation, zum Träger und zum Aufbau eines solchen Projektes.

Die Zauberhafte Physik in der Praxis
Zauberhafte Physik mit Unterrichtsmodulen:  Versuchskoffer – Demonstration des Schwerpunkts am Besenstiel und an der Kippschachtel kurz vorm Sturzflug

 

Zauberhafte Physik mit Lesekisten

Das Projekt “Zauberhafte Physik mit Lesekisten” verbindet das Lesen Lernen mit dem Wecken physikalischer Interessen und der Förderung feinmotorischer Fähigkeiten. Unter Anleitung eines Erwachsenen, der sogenannten „Lesepat_in”, lesen Kinder altersgerecht verfasste Versuchsanweisungen und bauen parallel dazu den beschriebenen Versuch zusammen; die zugehörigen Materialien entnehmen sie der Lesekiste. Durch die verschiedenartigen Materialien in der Lesekiste entsteht Neugier auf den Text. Die Leselust wird durch das begleitende Experimentieren gefördert und der Zugang zur Physik einfach und spielerisch gestaltet.

Das Projekt richtet sich an Eltern, Großeltern, Lesepat_innen, Erzieher_innen und Lehrkräfte. Es ist sowohl zum individuellen Lesen Lernen geeignet als auch in öffentlichen Einrichtungen einsetzbar, so in Grund- und Förderschulen, Einrichtungen für Kinder mit Migrationshintergrund, Horten, Kindertagesstätten und Flüchtlingsheimen. Einfache, physikalische Erläuterungen gehören zu jeder Lesekiste. Daher erfordert die Durchführung der Lesekistenversuche keine physikalischen Vorkenntnisse der Betreuer_innen.

Die inzwischen entwickelten zwölf Lesekisten lassen sich darüber hinaus in der 4. und 5. Klassenstufe zu Sachkundethemen zusammenfassen und ermöglichen damit einen teamorientierten Unterricht.

Auf der Projektseite Zauberhafte Physik mit Lesekisten können die Versuchsanweisungen, Erläuterungen zur Durchführung von Lesekistenstunden und Hinweise zum Herstellen von Lesekisten heruntergeladen werden. Die Versuchsmaterialien der Lesekisten stammen aus dem Umfeld der Kinder und können auch von Nichttechniker_innen zusammengestellt werden.

Hinweise zur Projektorganisation, zum Träger und zum Aufbau und des Projektes sind auf der Projektseite “Zauberhafte Physik mit Unterrichtsmodulen” zu finden und können in modifizierter Form auf das Lesekistenprojekt übertragen werden.

zaiberhafte Physik mit Lesekisten Anwendung
Zauberhafte Physik mit Lesekisten:  Die sechs Lesekisten der Serie 1   –   Versuchsanweisung lesen   –   ein Stehaufmännchen bauen

 

Partyversuche – Physikspaß für Jung und Alt

Das dritte Projekt “Partyversuche” soll bei Jung und Alt Freude an Physik wecken und Deutschland zu einem lustvollen Umgang mit physikalischen Fragestellungen verhelfen. Die 31 Partyversuche weisen teils Überraschungseffekte, teils Geschicklichkeitsanforderungen, teils Gesellschaftsspielcharakter auf. Sie sind unterschiedlich schwer durchzuführen; manche sind für Kitakinder geeignet, manche machen sogar ausgebildeten Physikern Spaß. Die Versuche werden mit knappen Texten, Skizzen und Fotos erklärt. Bei Bedarf können zusätzlich einfache, physikalische Erklärungen abgerufen werden. Hier gelangen Sie zu den “Partyversuchen”.

Das Projekt richtet sich an alle Altersgruppen; es ist sowohl für entspannte Schulstunden vor Ferienbeginn als auch für Kitas, Partys, Seniorengeburtstage und sonstige fröhliche Zusammenkünfte geeignet. Das zeigen auch unsere Schnappschüsse.

Seniorenbetreuerinnen wollen die Partyversuche wegen des „männlichen Touchs“ demnächst in ihrer Therapiearbeit anwenden.
Wir wünschen viel Spaß beim gemeinsamen Ausprobieren der 31 lustigen Partyversuche.

Bildleiste für Partyversuche Zauberhafte Physik
Partyversuche: Utensilien                   –                  Glasharmonika mit edlem Tropfen          –            Nasenfinger am 75. Geburtstag

 

Die besondere Bedeutung der Grundschulen

„Warum schlägt die Tür zu, wenn man das Fenster öffnet? Der durchziehende Luftstrom müsste sie doch eigentlich aufdrücken?“
„Warum muss man bei Dosenmilch ein zweites Loch in den Deckel stechen, um die Milch ausgießen zu können?“
„Wie funktionierten die Magdeburger Halbkugeln von Otto von Guericke (1602 bis 1686)?“

Versuch Magdeburger Halbkugeln von Otto von GuerickeOtto von Guericke brauchte acht Rösser und eine Vakuumpumpe, um die Kraft des Luftdrucks zu demonstrieren. Wir brauchen nur zwei Kinder und zwei Saugglocken (Pömpel).

Unser Leben wird von technischen Entwicklungen nachhaltig beeinflusst. In unserem Umfeld arbeiten wir ständig mit physikalischen Phänomenen. Um sie verstehen und richtig beurteilen zu können, brauchen wir physikalische Grundkenntnisse. Unsere Kinder sollten wir möglichst früh an die Welt der Naturwissenschaft und Technik heranführen, denn die MINT-Bildungskette beginnt im Elternhaus, wird in der Kita aufgenommen und in den Schulen fortgesetzt.

Der Grundschule kommt eine besondere Bedeutung zu:

  • in Grundschulen werden Kindern aus allen Bildungsschichten erreicht,
  • in Grundschulen bilden sich erste Interessenschwerpunkte heraus,
  • in Grundschulen wird die Einstellung zur Schule geprägt,
  • in Grundschulen werden die Weichen für weiterführende Schulen gestellt.

Industrie und Medien fördern dankenswerter Weise naturwissenschaftliche Aktivitäten und Initiativen. Die Industrie braucht Facharbeiter_innen und Ingenieur_innen. Eine erfolgversprechende Werbung für diese Berufe muss vor der Pubertät beginnen. Wir hoffen, dass sich immer mehr Menschen finden, die mithelfen, Bildung an die jüngere Generation weiterzugeben.

Die ehrenamtliche Unterstützung von Lehrkräften und Schulaktivitäten könnte noch besser funktionieren, wenn es eine Koordinationsbeauftragte an jeder Grundschule gäbe, die die schulexternen Angebote auswählt und bedarfsgerecht  in die Arbeit der Schule integriert. Artikel zu Mentor_innen in Grundschulen.

 

Werbung von Lese- und Physikpatinnen und Paten

Kreis anzuwerbender, ehrenamtlicher Pat_innen

Omas halten heute länger“, schrieb ein kleines Mädchen unter die Zeichnung von einer vergnügt drein blickenden Frau mit Brille und Stock. Unsere Senior_innen sind tatsächlich gesünder, mobiler und aufgeschlossener als in früheren Zeiten; sie leben jedoch nur noch selten mit ihren Enkelkindern unter einem Dach und sie haben Zeit. Daher wird man ehrenamtliche Patinnen und Paten vor allem unter Ruheständler_innen akquirieren können.

Patenteams der zauberhaften physikStudierende, Senior_innen und Azubis gehen in Grundschulen und begeistern Kinder fürs Lesen und für Physik.

In den zurückliegenden Jahren haben wir durchgehend auch mit Studierenden gearbeitet, wobei überproportional viele aus dem Ausland stammten. Wir haben wunderbare Erfahrungen mit unseren generationsübergreifenden Teams gemacht. Doch seit Einführung des Bachelors hat sich wegen der häufigen Prüfungen die Teilnahme reduziert. Lediglich Lehramtsstudent_innen nehmen regelmäßig die Gelegenheit wahr, praktische Erfahrungen in unseren Zauberstunden zu sammeln.
Die großen Ausbilder Berlins stellen uns sporadisch Auszubildende  zur Verfügung; die jungen Leute sprechen die gleiche Sprache wie die Grundschulkinder und finden einen ausgesprochen guten Kontakt zu ihnen, sind aber nicht regelmäßig einsetzbar, da sie in feste Ausbildungsprogramme eingebunden sind. Dabei wäre eine zusätzliche Förderung ihrer Kommunikationskompetenz sicher von Nutzen; die Azubis selbst sind ganz sicher die besten Werber für handwerkliche Berufe.

Erfahrungen mit dem Anwerben ehrenamtlicher Pat_innen

Das Anwerben ehrenamtlicher Pat_innen stellt für uns wie für jede Initiative eine nie versiegende Aufgabe dar – sei es, dass ein neues Team zusammen gestellt werden muss oder dass es sich um den Fluktuationsausgleich in bestehenden Teams handelt.

Was haben wir in den neun Jahren gelernt?

• Die Werbung im Kollegen- und Freundeskreis war besonders erfolgreich.
Patenliste Bürgerstiftung Berlin 2011
• Die meisten Menschen wollen persönlich angesprochen werden; eventuelle Schwellenängste und Bedenken lassen sich dabei auffangen.
• Die ehrenamtliche Tätigkeit muss auf die Ambitionen und Fähigkeiten der Angesprochenen abgestimmt werden.
Forderungen zu langfristigen und unflexiblen Bindungen sollten vermieden werden.
• Projektpräsentationen mit anschließender gemütlicher Aussprache erwiesen sich als ausgesprochen zielführend.
Präsentation vor Studierenden der FU Berlin 2012
• Weiterbildungsmaßnahmen und besondere Veranstaltungen stellen einen Anreiz dar.
• Hinweise auf ehrenamtliche Patentätigkeiten sollten schon vor Eintritt in den Ruhestand erfolgen.


zum Filmanfang

Folgende Werbeaktionen haben sich bei uns bewährt:

• Ehrenamtsnachmittag des Firmen-Senioren-Clubs der Firma Bayer;
Bayer-Ehrenamtsnachmittag 2010: Agenda
Bayer-Ehrenamtsnachmittag 2010: Rede
• Informationsstände ehemaliger MA in den Räumen des Arbeitgebers vor aktiven Mitarbeiter_innen;
• Präsentationen auf Ehrenamtsveranstaltungen der Bürgerstiftung Berlin; hier wurden vor allem die bisher unbeteiligten Partner_innen der eingeladenen Gäste gewonnen, was zur Motivation der jeweiligen Paare beigetragen hat.
• Pressemitteilungen in der örtlichen Presse, insbesondere in den Stadtteil-Nachrichten.
Pressemitteilung des VDI Berlin-Brandenburg zur Werbung von Physikpaten 2012
• Reportagen mit Fotos in der Tagespresse und Fernsehauftritte.
Presseartikel / Filme

Plakate, Flyer, Aufkleber, Bottoms und Aushänge ohne persönliche Ansprache führten selten zum unmittelbaren Erfolg; als Ergänzung zu unseren Visitenkarten haben sich jedoch entsprechende Postkarten bewährt.

Veranstaltungsplakat der Universität Mainz 2015
Sechs Plakate „Bildung weitergeben“ zur Werbung ehrenamtlichen Engagement 2015
BildungsBOOTschafter 2012 Grafik von Christoph Kellner
Vier Plakate zur Eröffnung der Lernwerkstatt 2008
Senioren-Flyer zur Akquisition von Physikpaten
Junioren-Flyer zur Akquisition von Physikpaten

Hier finden Sie sämtliche Unterlagen zur Patenwerbung.

Erfahrungen mit der Integration neuer Pat_innen in die Projektteams

Bei unseren größeren Werbeaktionen meldeten sich zehn und mehr Interessent_innen. Die galt es, innerhalb von 14 Tagen (!) in das Projekt einzubinden, weil anderenfalls das spontane Interesse erloschen wäre.
Nützlich für die Eingewöhnung von Paten in neue Teams sind Vorstellungstreffen und Handouts mit Fotos von den Team-Mitgliedern.

Der Kontakt zu ehrenamtlichen Pat_innen erfolgt bei uns im drei- bis vier-wöchigen Rhythmus; gelegentlich schließt er private Patentreffen außerhalb der Schule ein. Es hat sich bewährt, vor längeren Ferien
einen neuen Termin für die Zeit danach festzulegen. Feste „Rituale“, mehrwöchige Planungen und nachvollziehbare Strukturen haben sich als hilfreich erwiesen.

Über all diesen Anregungen sollte man aber nicht vergessen, dass Erfolg und Nachhaltigkeit bei der Patenwerbung wesentlich vom Engagement und Geschick der Koordinator_innen abhängen.

bildieste patenwerbungMit Partyversuchen Paten werben auf der Mitgliederversammlung des VDI Berlin-Brandenburg 2012