Bildung weitergeben – Schulmentoren als Ansprechpartner in Grundschulen

Der Erfahrungsaustausch auf der diesjährigen Seniorenmesse SenNova hat deutlich gemacht, dass deutsche Grundschulen dringend Unterstützung brauchen. Neben ihren primären Erziehungs – und Bildungsaufgaben müssen sie vermehrt Migrationskinder aus unterschiedlichen Kulturkreisen und Bildungsschichten auf gleiches Lernniveau bringen, die Inklusion sicherstellen und eine wachsende Anzahl teilweise traumatisierter Flüchtlingskinder in den Klassenverband integrieren. Die Vertreter_innen von sechs, an Schulen arbeitenden Verbänden*) schlagen einen Weg vor, der zeitnahe Abhilfe in der angespannten Situation schaffen kann.

Gesellschaftliche und organisatorische Voraussetzungen

Die Deutschen werden immer älter. Sie bleiben bis ins hohe Alter gesund und aktiv. Ein kleines Mädchen des Berliner Großelterndienstes formulierte treffsicher: “Omas halten heute länger”.

Omas halten längerDie älter werdenden Omas und Opas halten nicht nur länger, sie haben in ihrem langen Leben auch viel gelernt und sollten ihr Wissen an die junge Generation weitergeben. Wenn sie bei ihren Kindern leben, können sie Erfahrung, Bildung und Fertigkeiten ganz selbstverständlich ihren Enkeln zugute kommen lassen. Doch die Globalisierung hat dazu beigetragen, dass Eltern und Großeltern nicht mehr am gleichen Ort leben; viele Kinder sehen ihre Großeltern nur besuchsweise. Daher sollten die Voraussetzungen für ehrenamtliches Engagement weiter verbessert werden, um vermehrt Senior_innen in die Bildungsweitergabe einzubeziehen.

Grundschulen sind eine wichtige Schaltstelle für den weiteren Bildungsweg unserer Kinder. Hier kommen Kinder aller Bildungsschichten zusammen, hier werden die Weichen für die weiterführenden Schulen gestellt, hier entscheidet sich, ob Lernen Spaß macht. Wir sollten unser Augenmerk gerade auf die Grundschulen richten, deren personelle Ausstattung dringend aufgestockt werden müsste. Doch die Ausbildung der zusätzlich benötigten Lehrkräfte kann nicht von heute auf morgen erfolgen. Also müssen für eine schnelle Hilfe andere Wege eingeschlagen werden

An unsere Grundschulen werden zahlreiche außerschulische Unterstützungsangebote herangetragen, als da sind: Lese- und Physikpaten, Hilfe bei der Hausaufgabenbetreuung, Mediator_innen, Gesprächskreise, Mitarbeit bei Arbeitsgemeinschaften, Initiativen zur Berufsorientierung/ Firmenkontakte /Schülerpraktika, Sportprojekte, Hospitationen und vieles mehr.

Hilfe ist gut und erwünscht, sie muss nur zielgerichtet gelenkt werden, oft auch nach ihrer Brauchbarkeit für die betreffende Schule ausgewählt werden. Heute läuft die Koordination zumeist über die Schulleitung oder einzelne engagierte Lehrer; das bedeutet für diesen Personenkreis Mehrarbeit.

Effektiver wäre es, eine Teilzeitstelle „Schulmentor_in“ zu schaffen, die

  • für die richtige Einordnung außerschulischer Angebote in den Schulalltag zuständig ist,
  • die Koordination mit den Lehrkräften übernimmt,
  • Qualitätskontrollen durchführt,
  • bei Förderanträgen und bei der Beurteilung der Angebote hilft.

Ehrenamtliche Organisationen böte sich damit eine identifizierbare Ansprechstelle; sie würden auf die Situation in den Schulen und das Verhalten von Lehrkräften und Schülern entsprechend vorbereitet werden können.
Die Teilzeitstelle der Schulmentor_in könnte sowohl von außen als auch von einer älteren Lehrkraft aus dem Lehrerkollegium besetzt werden, die dafür ein gewisses Stundendeputat erhält (z.B. 10 Wochenstunden). Ist es eine Vertrauensperson aus dem Lehrkörper wäre sowohl die Akzeptanz gewährleistet als auch dem Wunsch älterer Lehrer_innen nach weniger Unterrichtsstunden Genüge getan. Denkbar sind auch bereits ausgeschiedene Lehrkräfte, die sich ihrer Schule weiter verbunden fühlen. Eine Einarbeitungszeit würde bei dem letztgenannten Personenkreis nahezu entfallen.

Die Kultusministerien der Länder müssten die finanziellen Mittel bereit stellen und bei der Stellenbeschreibung mitarbeiten. Die Besetzung sollte in der Verantwortung der Schulleitungen liegen.

Begleitende Maßnahmen

Schon jetzt setzt sich ein Großteil der Ruheständlerinnen und Ruheständler ehrenamtlich für spezielle Aufgaben ein. Doch es gibt noch ein großes, bisher ungenutztes Potenzial. Um das zu nutzen, bedarf es neben der vorgeschlagenen Adaptionsstelle zwischen außerschulischen Initiativen und Schulorganisation auch verstärkter Öffentlichkeitsarbeit.

Dabei gilt es zu verdeutlichen, dass ehrenamtliches Engagement einerseits notwendig ist, angesichts des demografischen Wandels sogar eine Verpflichtung darstellt, dass es aber auch Vorteile für die ehrenamtlichen Helfer bringt:

  • Sie aktivieren ihr Wissen.
  • Sie vermeiden die soziale Isolation und erleben zwischenmenschliches Glück.
  • Sie heben das Image der Rentner_innen und werden vom kostspieligen Ruheständler zum kostbaren Bildungsvermittler.
  • Sie ernten Glück und Anerkennung.

Ein siebenjähriger Knirps einer Berliner Grundschule fasste seine Erkenntnisse mit bestechender Ehrlichkeit zusammen, in dem er einem 70-jährigen Physikpaten nach einer gelungenen, physikalischen Experimentierstunde bescheinigte: „Dafür, dass du schon so alt bist, bist du ganz schön schlau“.

Fazit:
Es wird eine wirksame und zeitnah (!) umsetzbare Strategie zur Unterstützung von Schulen vorgeschlagen. Die Mittelzuteilung für die vorgeschlagene Teilzeitstelle „Schulmentorin“ könnte nach einem Stufenplan für vorrangig zu bedienende Grundschulen erfolgen. Wichtig ist den Protagonisten *) der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V. (BAGSO), dass bald etwas geschieht und die engagiert in ihrem Beruf arbeitenden Lehrkräfte nicht verschlissen, die hilfsbedürftigen Kinder nicht allein gelassen werden

Berlin, den 24.7.2015
Maren Heinzerling, Deutscher Akademikerinnenbund e.V.
heinzerling.maren@googlemail.com – Tel.: 030 / 326 5720 oder 0172-802 3637

 

*) Am Runden Tisch “Engagement für Schulen” beteiligte Organisationen:
Deutscher Akademikerinnenbund e.V
Konzeptbüro Dialog der Generationen i.G
Montessorischule / Werkstatt der Generationen München
Senior Experten Service
Seniorpartner in School

Aufruf Mentoren

Zauberhafte Physik: Ehrenamtlich arbeitende Ingenieure und Physiker i.R. unterstützen Grundschulen – www.zauberhafte-physik.net